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01.08.2019 hallowil.ch

Karin Weigelt zu Gast in Flawil: Das wäre ihre neue Nationalhymne

Bei prächtigem Sommerwetter feierte gefühlt fast «halb Flawil» am 1. August den Nationalfeiertag oben in der «Egg», wohin der Verkehrsverein Flawil und der Gemischte Chor Egg eingeladen hatten. FDP-Nationalratskandidatin Karin Weigelt erläuterte in ihrer Festrede, welche Aspekte in einer neuen Nationalhymne thematisiert werden sollten.

Christof Lampart

Geschätzte 400 Personen werden es garantiert gewesen sein, welche am Donnerstagvormittag in die offenstehende Halle der Firma Fitze Holzbau pilgerten. Als die FDP-Nationalratskandidatin ans Rednerpult trat, war die grosse Halle bis auf den allerletzten Sitzplatz gefüllt, so dass die Harmoniemusik Flawil, welche an diesem Tag unter der musikalischen Leitung von Christoph Diem stand, sogar im Freien Aufstellung bezog. Der Andrang verwunderte nicht weiter, denn vor der Rede Weigelts gab es bereits einen Brunch, so dass der Nationalfeiertag in Flawil ein Feiertag für die ganze Familie war. Die Kinder vergnügten sich auf der bereitgestellten Hüpfburg, die Erwachsenen verbrachten plaudernd und scherzend ein paar gesellige Stunden.

Übers Ausland zu liefern, war billiger

Die ehemalige Profisportlerin Karin Weigelt (Handball) freute sich darauf, die Rede halten zu dürfen, denn sie habe die letzten elf Jahre im Ausland verbracht und konnte deshalb nie den Nationalfeiertag in der Heimat feiern. «Ich war irgendwo in Europa in einer Trainingshalle oder an einem Vorbereitungsturnier». In ihrer Rede verwies Weigelt auf den gesellschaftlichen Fortschritt hin, der die Gründung des Nationalstaates 1848 den Schweizern brachte. Nicht nur die religiösen Streitigkeiten und die rechtliche Gleichstellung aller sei durch die Schaffung der Bundesverfassung auf einmal gegeben gewesen, sondern auch im Alltag sei für die Bevölkerung alles auf einmal viel einfacher geworden. Dass die Zölle in der neuen «Freihandelszone Schweiz» damals abgeschafft worden seien, sei ein wesentlicher Punkt für die Schaffung des heutigen Wohlstandes gewesen, welcher wohl kaum Einzug gehalten habe, hätte man das «Modell» vor 1848 länger beibehalten. Damals, so Weigelt, hätte die Schweiz 87 verschiedene Masseinheiten für Getreide gekannt, 81 Masse für Flüssigkeiten und 50 verschiedene Gewichtsmasse. «Wer etwas von St. Gallen auf Genf transportieren wollte, musste nicht nur viel Zoll zahlen, sondern auch sechs verschiedene Postzonen durchlaufen. Da kam es einem billiger, wenn er St. Galler Stickereien über das Ausland nach St. Gallen transportierte», kramte Weigelt im Fundus der nationalen Geschichte. 

Mehr Toleranz durch eine neue Nationalhymne?

Aber auch in der jüngeren Vergangenheit habe die Schweiz noch Mut zur Wandlung bewiesen – indem sie 1960 den «Schweizer Psalm» zur neuen Nationalhymne erkor. Zuvor habe Helvetien – gleich wie viele andere Länder auf der Welt – einfach die Nationalhymne von Grossbritannien «God Save The Queen» bei offiziellen Anlässen gespielt. Vielleicht sei es heute wieder an der Zeit, eine neue Nationalhymne zu singen? Denn der Schweizer Psalm sei per Bedeutung des Wortes ein «poetisch-religiöser Text», wohingegen die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft Worte wie Freiheit, Unabhängigkeit, Friede, Offenheit und Solidarität mit den Schwachen thematisiere.

Weigelt räumte jedoch ein, dass eine Nationalhymne etwas Vertrautes sein sollte, mit denen sich die Bürger eines Landes identifizieren können sollten. Nur politisch korrekt zu sein, könne und müsse nicht der Anspruch einer Landeshymne sein, «sonst wind wir bald bei einem «Eurovision de la Chanson», wo jedes Jahr aufs Neue die Trends festgelegt werden». Wichtig sei jedoch, dass in diesem Texts Werte wie Respekt und Toleranz eingefordert und von der Bevölkerung dann auch im Alltag bewusster gelebt würden. Sie wünsche sich, so Weigelt, «Den Mut zu haben, auch mal aus der Komfortzone auszubrechen und einen Schritt aufs Gegenüber zuzugehen. Vor allem bei den Diskussionen zwischen den Generationen und den Kulturen sei dies vonnöten, dass «man sich weniger aufregt und jammert, sondern sich viel mehr selbst engagiert und einbringt», so Weigelt. 

Hier geht’s zum Originalbericht auf hallowil.

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