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06.09.2019 Sarganserländer

Starke Wirtschaft ist die Basis für Wohlstand

Mit Karin Weigelt steigt eine junge Frau für die FDP in den Kampf um einen Nationalratssitz, die ihre politischen Schwerpunktthemen im gesellschaftlichen Wandel und der Digitalisierung sieht – und die eine starke Stimme für den Sport sein möchte.

mit Karin Weigelt sprach Reto Vincenz

Mit der 35­jährigen Karin Weigelt hat ein neues Ge­sicht die Politbühne be­treten. Während die frü­here Weltklasse­ Handbal­lerin und Schweizer Nationalspielerin bisher in erster Linie in der Sportwelt auf sich aufmerksam gemacht hat, strebt die ausgebildete PR-­Fachfrau und Marke­tingmanagerin nun den direkten Sprung nach Bundesbern an. Ausgangsort dafür bildet Sargans. Dort hat das FDP­-Mitglied in diesem Jahr Wohnsitz genommen und ihr eigenes Unternehmen «Spunky Spirit» gegründet. Dieses bietet Unter­stützung in Projekt-­ und Kommunika­tionsmanagement an.

Zu den wichtigsten Mandanten von «Spunky Spirit» gehört der Schweizeri­sche Handballverband. Für ihn treibt Weigelt die Handballakademie der Frau­en als Projektleiterin voran. Es ist das erste nationale Leistungszentrum für Schweizer Handballerinnen und startet im Sommer 2020 in Cham. Eingegliedert ist es in das disziplinenübergreifende Kompetenzzentrum für Weltklasse ­Athletik und Forschung OYM («On Your Marks»), hinter dem der VR­-Präsident des EV Zug, Hans­ Peter Strebel, steht.

Frau Weigelt, Sie wohnen seit einigen Monaten in Sargans. Wie gefällt Ihnen das Sarganserland?
KARIN WEIGELT: Ausgezeichnet, die Landschaft ist herrlich. Berge, See, Natur, es ist alles da. Auch mit vielen Menschen bin ich schon in Kontakt gekommen. Lei­der hatte ich aber noch zu wenig Zeit, um alles zu erkunden. Gerade das Biken kommt zu kurz im Moment.

Wenn Sie zu wenig Zeit fürs Biken haben: Was machen Sie stattdessen?
Arbeiten einerseits und andererseits ha­be ich im Hinblick auf die Nationalrats­wahlen vom 20. Oktober sehr viele Anlässe, an denen ich präsent bin. Der Sport kommt im Moment sicher zu kurz. Aber das lässt sich jetzt nicht ändern.

Sie haben die Politbühne im März dieses Jahres betreten und befinden sich seit einem halben Jahr im Wahlkampf. Immer noch motiviert?
In jedem Fall. Ich finde diesen Prozess ex­trem spannend, lerne viele Menschen kennen. Ich bin der Meinung, dass es gut läuft, weiss aber auch, dass das ein sehr subjektives Empfinden ist, weil einen eine Art Filterblase umgibt. Wir haben vorgängig einen Plan gemacht, wie der Wahlkampf ablaufen soll, und an diesen Plan halten wir uns.

Wo liegen Ihre politischen Schwerpunktthemen?
Im Fokus steht für mich der gesellschaft­liche Wandel, den wir nicht stoppen, aber auf den wir aktiv Einfluss nehmen können. Ähnlich ist es bei der Digitalisie­rung. Ich will diese Prozesse mitgestal­ten, da sie unsere Zukunft prägen wer­den. Grundsätzlich möchte ich die Schweiz weiterbringen. Während meiner elf Jahre im Ausland erlebte ich die Schweiz von aussen und habe Vorteile und Nachteile kennengelernt. In Norwe­gen beispielsweise sind die digitale Ge­sundheitsakte oder die E­ID (elektroni­sche Identifizierung) bereits Alltag. Kä­men diese Instrumente auch in der Schweiz zum Einsatz, liesse sich viel Geld sparen und bürokratische Leerläufe ver­hindern. Ganz wichtig ist mir schliess­lich auch der Sport, für den ich mich auch als Politikerin einsetze. Dem Sport kommt nicht nur gesundheitspolitisch grosse Bedeutung zu, sondern auch staatspolitisch. Denn die Sportvereine sind eine feste Basis für unser Milizsys­tem, sie fördern ein gesundes Leistungs­denken, Respekt und Teamgeist sowie die kulturelle Integration. Alles Werte, die für eine erfolgreiche Schweiz zentral sind. Als Nationalrätin würde ich daher sicher als starke Stimme für den Sport auftreten.

Sie nennen den gesellschaftlichen Wandel und die Digitalisierung als zwei Themen. Aber ist es nicht die Digitalisierung, die diesen gesellschaftlichen Wandel überhaupt auslöst bzw. bestimmt?
Ja, das ist genau die Herausforderung, dass hier gegenseitige Abhängigkeiten bestehen. Aber wir dürfen uns deshalb nicht einfach treiben lassen, sondern müssen Leitplanken und Wegweiser set­zen. Entscheidend ist, dass diese in Rich­tung Chancen und nicht Gefahren zei­gen. Persönlich setze ich mich dafür ein, dass liberale Werte den gesellschaftli­chen Wandel prägen.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?
Selbstverantwortung und Eigeninitiative stehen für mich ganz vorne, denn der Bürger gehört nicht dem Staat, sondern der Staat gehört den Bürgern. Aus dieser liberalen Position setze ich mich gegen eine immer stärker wuchernde Büro­kratie und für mehr unternehmerische Freiheit ein. Denn erfolgreiches unter­ nehmerisches Handeln ist ein entschei­dender Erfolgsfaktor für den Standort Schweiz und die Basis für Innovation und Konkurrenzfähigkeit. All dieses Han­deln muss nachhaltig abgebildet wer­den, nicht nur in der Umweltpolitik, son­dern ebenso in der Finanz-­ und Steuer­politik, im Bildungswesen oder in der Verkehrs-­ und Energiepolitik.

Eine starke Wirtschaft liegt Ihnen speziell am Herzen…
Das ist zentral, ganz klar, denn davon profitieren wir alle. Ich kenne die Stim­men, die der FDP Wirtschaftslastigkeit vorwerfen. Aber wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, dann haben wir auch kein Geld, etwa um Sozialleistungen aus­zuzahlen. Hier gehen die Themenfelder Hand in Hand. Eine starke Wirtschaft ist die Basis für unseren Wohlstand. Deswe­gen müssen wir ihr Sorge tragen.

Sie wollen die Digitalisierung vorantreiben – vielen Menschen macht sie Angst…
Ja, und deshalb müssen Plattformen auf­gebaut werden, die Vertrauen schaffen. Ein Beispiel dafür ist E­-Voting. Ich finde das eine wunderbare Lösung, aber es darf selbstverständlich keine Sicher­heitsbedenken geben.

Gehen wir davon aus, Sie werden in den Nationalrat gewählt – das Sarganserland sieht Sie dann als «seine» Nationalrätin an. Können Sie dem gerecht werden?
Selbstverständlich hat man zu seiner Heimat und seinem Wohnort eine spe­zielle Beziehung und kennt die aktuellen Probleme vor Ort. Ich würde also sicher für das Sarganserland und für den Kan­ton St.Gallen einstehen und entspre­chend Einfluss geltend machen. Etwa, wenn es darum geht, Projekte zu gewin­nen, die in der Region umgesetzt wer­den. Natürlich darf man dabei die Ge­samtsicht nicht ausser Acht lassen, da im Bundeshaus primär nationale Politik ge­macht wird.

Trotzdem: Verfolgen Sie das lokale politische Geschehen? Was sagen Sie beispielsweise zur Spitaldebatte
Selbstverständlich verfolge ich intensiv, was vor meiner Haustüre geschieht. Denn es sind die Themen, mit denen man im Gespräch mit den Menschen konfrontiert wird. Was die Spitäler im Kanton St.Gallen betrifft, habe ich eine klare Haltung: Wir müssen endlich eine kantonale Strategie festlegen, die über­ geordnete und regionale Interessen ver­bindet. Ich bin der Überzeugung, dass wir in allen Regionen eine funktionie­rende Notfallversorgung anbieten müs­sen. Darüber hinaus braucht es aber auch eine Zentralisierung bei der Spit­zenmedizin. Daran führt kein Weg vor­bei.

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