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15.10.2019 St.Galler Tagblatt

«Paddeln, paddeln, paddeln»

Was entscheidet über den Erfolg? Drei Jungunternehmer und ein Patron erzählen.

Thomas Griesser Kym

Drei Jahre nach der Gründung sind nur noch 20 Prozent aller Start-ups am Leben. Das zeigen Studien. Worauf kommt es an, um Erfolg zu haben? «Die Ansprüche an die Gründer sind gestiegen», weiss Simon May, Geschäftsführer des Instituts für Jungunternehmen (IFJ).

Am 10. St.Galler Start-up-Forum im Rahmen der Olma haben drei Jungunternehmer von ihren Erfahrungen berichtet. Ein zentraler Punkt ist demnach das Timing. Welche Trends sind gerade in, was wünschen die Kunden, und wie kann man ihnen zu einem Erlebnis verhelfen? Antworten auf solche Fragen erachtet Roman Hartmann als zentral, Co-Gründer von Farmy.ch. Auf diesem Online-Marktplatz können Konsumenten vor allem aus dem Raum Zürich und Genfersee 10000 Produkte, von Obst und Gemüse über Fleisch bis zu Wein, von 1000 regionalen Produzenten und Bauern bestellen und sich per Elektrofahrzeug nach Hause liefern lassen.  Das erspare den Kunden zeitraubende Einkäufe im Supermarkt, sei dank Informationen zu allen Anbietern vollständig transparent und erfülle den Wunsch vieler Konsumenten nach Regionalität. Besondere Trümpfe sind laut Hartmann die Bestellungsverfolgung und die Frische: «Unsere Lebensmittel sind zwei bis drei Tage frischer als jene aus dem Supermarkt. Der Kunde spürt das.»

Eine wichtige Rolle spielt das Timing auch laut Daniel Baur, Co-Gründer der eMonitor AG. Diese hat für Wohnungssuchende die Bewerbung für Mietwohnungen digitalisiert und zählt mittlerweile Vermieter wie die Stadt Zürich, die Genossenschaft ABZ, Livit oder AXA zu ihren Kunden. Laut Baur ist es ein zentraler Faktor, dann am Start zu stehen, «wenn sich die Welle am Aufbauen ist». Also wenn ein Trend entsteht und die Konkurrenz noch kaum existent ist. Das heisst auch, man darf nicht zu früh sein. Baur kennt das aus eigener Erfahrung, als er vor einigen Jahren für Red Bull eine Instagram-Kampagne orchestrierte. Nur war damals in der Schweiz noch kaum jemand auf Instagram. Nach dem Start gehe es vor allem um eins: «Paddeln, paddeln, paddeln.» Das heisst: Die ganze Energie in das Projekt stecken, aus Fehlern lernen, vorwärts kommen, und: «Man muss es gern tun.»

«Mit einem weissen Blatt Papier zum Kunden»

Das Produkt lieben, die Arbeit gerne machen, etwas wagen – das sind auch Grundsätze von Karin Weigelt, die vor knapp einem Jahr die Spunky Spirit GmbH für Projekt- und Kommunikationsmanagement gegründet hat. «Ganz wichtig ist auch Netzwerken», nicht zuletzt um bei Bedarf auf externes Know-how zugreifen zu können. Weigelt, früher Handball-Profi und Rekordnationalspielerin, hat gelernt, eine Mannschaft zu führen und Ziele zu erreichen. Und: «Im Spitzensport muss man aufgehen.» Für sie sei darum klar gewesen, nach der sportlichen Karriere auch im Beruf danach aufgehen zu wollen. «Ich habe die Selbstständigkeit gesucht. Ich will selber etwas aufbauen und Projekte leiten.» Ihr Credo sei es, «mit einem weissen Blatt Papier zum Kunden zu gehen und erst ganz zum Schluss Massnahmen zu beschliessen, anstatt dem Kunden fixfertige Kommunikationskonzepte überzustülpen.» Ihr Leitspruch: «Just do it, Just do it, Just do it.»

Vor den Jungunternehmen sprach ein gestandener Unternehmer: Ernst Möhl von der Mosterei Möhl in Arbon. Seine Rezepte unterscheiden sich gar nicht gross von jenen der jungen Generation. Die Qualität müsse stimmen, man müsse gerne verkaufen und gerne Kontakt haben, etwa zu den Kunden oder den Besuchern im hauseigenen MoMö-Museum. Als Möhl vor 45 Jahren als 23-Jähriger nach dem Tod des Vaters ans Steuer kam und bald darauf auch sein Bruder, gab es 30 Mostereien in der Schweiz, und ihr Unternehmen war regional ausgerichtet. Heute teilen sich Möhl und Ramseier 97 Prozent des Mostereimarkts auf. «Wir haben Marken entwickelt und betreiben Werbung. Das gab es zu ­Vaters Zeit nicht», sagt Möhl.

Inzwischen führt eine neue vierköpfige Geschäftsleitung, da­run­ter ein Sohn und ein Neffe Ernst Möhls, die Mosterei. Die Wachablösung wurde über mehrere Jahre vollzogen. Was es dafür braucht? «Vertrauen», sagt Ernst Möhl, und das mehrmals.

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