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25.04.2019 Handballworld

Im vergangenen Sommer hat Karin Weigelt (34) ihre grosse Spitzenhandball-Karrriere beendet. Die Formulierung „sie trat kürzer“ wäre aber angesichts ihrer Engagements nicht angebracht.

(Interview Roland Marti, handballworld)

Ihr Karrierenende als Spitzen-Handballerin liegt erst ein paar wenige Monate zurück. Wie schwer ist Ihnen die Umstellung gefallen?

Es ist ein komplett anderes Leben, welches ich jetzt in der Schweiz führe. Natürlich geniesse ich die Vorteile, die das neue Leben mit sich bringt und habe die frei gewordene Zeit mit neuen Projekten und Herausforderungen gefüllt. Trotzdem, der Handball hat über viele Jahre meinen Alltag bestimmt und ich habe viel Herzblut in diese Sportart investiert. Es wäre gelogen, zu behaupten, dass ich einfach den Schalter umlegen konnte. 

Sie haben vom SHV das Mandat erhalten, die Handball-Akademie der Frauen als Projektleiterin voranzutreiben? Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Die Handball-Akademie ist ein ambitioniertes und zukunftsgerichtetes Konzept, welches den Frauenhandball in der Schweiz weiterbringen wird. Ich freue mich, dass ich meine Erfahrungen aus dem internationalen Profi-Sport und meinen beruflichen Hintergrund nun optimal in dieses Projekt einbringen kann.

Im Sommer 2020 soll das erste Leistungszentrum für Frauen in Cham eröffnet werden. Wie steht dieses Projekt derzeit im Fahrplan?

Ende März hatten wir junge, talentierte Spielerinnen aus der ganzen Schweiz zum Selektions-Lehrgang nach Schaffhausen eingeladen. Unser Ziel ist es, noch vor den Sommerferien 2019 erste Akademie-Spielerinnen vorstellen zu können. Ansonsten laufen die weiteren Vorbereitungen und Abklärungen auf Hochtouren. Es gibt viel zu tun damit im Sommer 2020 alles startklar ist. Wir liegen absolut im Zeitplan. 

Wo sind momentan die grössten «Baustellen»?

Die grösste Baustelle ist bestimmt in Cham, nämlich die Baustelle des Kompetenzzentrums OYM, welches noch gebaut wird. 🙂 

Das ist eher bildlich gesprochen, denn es läuft alles nach Plan. 

Ansonsten sind es weniger Baustellen sondern eher weitere Projektschritte, die nun anstehen. So wollen wir beispielsweise die Selektion der Spielerinnen für den Sommer 2020 abschliessen sowie die individuellen Ausbildungssituationen klären. Ein weiteres Thema ist unter anderem das Sponsoring- und Vermarktungs-Konzept, welches wir weiterentwickeln und verfeinern werden.

Im Juni spielt die Frauen-Nationalmannschaft gegen Dänemark ums WM-Ticket. Welchen Einfluss hat das Abschneiden der Nati auf Ihre Arbeit?

Die Nationalmannschaft ist das Flagschiff unserer Sportart. Das gilt nicht nur für die Frauen- sondern auch für die Männer-Nationalmannschaft. Deshalb hoffe ich sehr, dass wir bei den kommenden wichtigen Spielen unserer Nationalmannschaften erfreuliche Resultate sehen werden.

Sie «tanzen» kommenden Herbst noch auf einer weiteren Hochzeit und kandidieren für den Nationalrat. Was müsste im Falle Ihrer Wahl in der Priorität nach hinten rücken?

Aus meiner Sicht wäre die Verbindung meines Mandats für die Handball-Akademie mit dem Mandat als eidgenössische Parlamentarierin ein Glücksfall, da ein bedeutendes, zusätzliches Netzwerk für den Handball erschlossen werden könnte. Natürlich müsste ich bei meinen heutigen beruflichen Engagements teilweise kürzertreten, das Mandat beim SHV hätte aber in jedem Fall Priorität.

Wie viele Spiele haben Sie in der laufenden Saison live in einer Halle miterlebt?

Das waren leider definitiv zu wenige. Ich habe mir aber fest vorgenommen, dies bei den Playoff-Spielen nachzuholen. Die Spiele der Nationalmannschaft hingegen bleiben eine Herzensangelegenheit.

Juckt es noch in den Fingern, selber mitzuspielen, wenn Sie in einer Handballhalle sind?

Ja, das tut es definitiv. Die Anspannung vor dem Spiel, die Emotionen und das Adrenalin während dem Spiel und sogar die Erschöpfung nach dem Spiel sind unbeschreiblich schöne Gefühlszustände, welche sich tief in mein Herz gebrannt haben.

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