Presse

Aargauer Zeitung 14.06.2019

„Sport ist keine Männerdomäne!“

Noch immer werden Männer und Frauen in den verschiedensten Sportarten nicht gleich behandelt. Die Sportschützin Heidi Diethelm-Gerber, Tennisspielerin Belinda Bencic und Ex-Handballerin Karin Weigelt sprechen über die Erfahrungen in ihrer jeweiligen Sportart.

«Sport ist keine Männerdomäne!», sagt die ehemalige Handballerin Karin Weigelt.

«Es ist wichtig, dass auf die Gleichstellung aufmerksam gemacht wird. Anderseits bezweifle ich, dass ein Streik das richtige Mittel ist. Das Thema darf nicht zu einem Kampf «wir gegen Männer» werden. Aber, ja: Die Schweiz ist zu wenig weit, auch im Sport. Ich sehe zwar ein, dass Männersport oft mehr Sponsorengelder generiert.

Und ich finde es daneben, wenn erwartet wird, dass Fussballerinnen gleich viel verdienen sollen wie ihre männlichen Kollegen, die riesige Stadien füllen. Aber: Medien und Sportverbände müssten ein Gleichgewicht schaffen. Es geht nicht, dass Verbände Auswahl-Spielerinnen tiefere Taggelder auszahlen. Es geht auch darum, aufzuzeigen: Sport ist keine Männerdomäne! Ich habe in meinen Jahren in Norwegen eine weit offenere Gesellschaft erlebt.» (rst)

Belinda Bencic, Tennis-Spielerin

«Bei den Grand-Slam-Turnieren spielen die Männer manchmal über vier Stunden, während bei uns ein Spiel 6:1, 6:2 endet. Da verstehe ich , dass die Männer nicht so happy sind, dass es dafür das gleiche Preisgeld gibt. Anderseits sind die Preisgelder bei anderen Turnieren bei den Frauen tiefer.

Generell haben viele Top-Athletinnen in den letzten Jahren den Weg geebnet – etwa bei den Sponsoren. Ich finde, man sollte aufpassen mit den Forderungen: Viele Frauen übertreiben es und wollen noch mehr. Ich finde: Gleichberechtigung heisst, dass beide Geschlechter gleich behandelt werden. Dafür stehe ich ein.» (sih)

Heidi Diethelm-Gerber, Sportschützin

«Ich fühlte mich als Frau noch nie benachteiligt in meiner Sportart. Wer erst mit 40 zu schiessen beginnt, darf keine Mimose sein. Wir erhalten gleich viel Preisgeld und geben seit 2017 mit der Luftpistole 60 Schuss ab. Bis dahin war das Programm für die Frauen mit 40 Schuss kürzer. Wer will, kann sich nun mit den Männern vergleichen.

Wir Frauen schauen manchmal, wie hoch die Qualifikationshürde für den Männerfinal gewesen wäre. Es fehlt oft nicht viel. Selbst die Schweizer Schützen, die oft als konservativ gelten, begegnen mir mit Respekt. International wurde das Schiessen frauenlastiger mit mehr Disziplinen und gleich grossen Teilnehmerfeldern. Streiken werde ich heute auf keinen Fall.» (dg)

Die Ostschweiz 13.06.2019

Warmgelaufen für den Frauenstreik

Podien sind tendenziell männerlastig besetzt. Nicht so das in Wil zur Frage der gesellschaftlichen Verantwortung von Frauen. Die rein weibliche Runde debattierte das Thema engagiert und mit greifbaren Vorschlägen.

Publiziert am 13. Juni 2019

Podium Wil

Die Gesellschaft ist im Wandel – und welche Rolle kommt dabei den Frauen zu? Wie können sie sich in die wegweisenden Themen wie Digitalisierung und andere einbringen? Und wie wirkt sich die Tatsache aus, dass sie nach wie vor in vielen Bereichen des Lebens unterrepräsentiert sind?

Das und mehr diskutierten im Cinewil in Wil vier Persönlichkeiten mit ganz unterschiedlichen Biografien: Die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann, die St.Galler Nationalratskandidatin Karin Weigelt und die Zürcher Nationalrätin Doris Fiala. Letztere stiess aufgrund von Problemen im öffentlichen Verkehr verspätet zur Runde.

«Die Ostschweiz» hat das Podium im Livestream auf dem Facebookkanal übertragen. Wer den Anlass verpasst hat, kann das gesamte Podium hier sehen:

06.06.2019 St.Galler Tagblatt

Von der Spitzensportlerin zur Geschäftsführerin

von Lisa Wickart

«Wenn man das Privileg hat, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, ist es schwierig, davon loszulassen», sagt Karin Weigelt. Vor einem Jahr hat die Ex-Profi-Handballerin ihren Rücktritt bekanntgegeben. Sie musste sich fragen, wie es weiter gehen soll.

Über das Leben nach der Sportlerkarriere haben die Gäste des Podiums im Haus Würth in Rorschach diskutiert. Vergangenen Montag haben neben Karin Weigelt auch die Eiskunstlauf-Weltmeisterin Denise Biellmann und Ex-Fussballer Marc Zellweger über ihre Erfahrungen gesprochen. Der Anlass war Teil der Podiumsreihe «Prominente Gäste – persönlich erleben». Denise Biellmann ist beruflich beim Sport geblieben. Einen offiziellen Rücktritt gab die 56-Jährige nie, Profiwettkämpfe macht sie jedoch keine mehr. Für sie habe es bis heute nie eine Alternative zum Eiskunstlauf gegeben: «Ich stehe immer noch täglich für Shows auf dem Eis», sagt sie. Als Trainerin unterrichte sie zudem Nachwuchstalente. Anders erging es Marc Zellweger. Nach unter anderem 13 Jahren beim FC St. Gallen und einem Jahr als Spieler beim FC Köln habe er zuerst Abstand vom Fussball ge- braucht. Ihm fiel es nicht leicht, einen neuen Beruf zu finden. Aber eins habe er gewusst: «Ich wollte auf keinen Fall einen Bürojob», sagt er. Gegen Ende seiner Fussballkarriere habe er gespürt, dass es bald vorbei sein werde. «Der Entscheid für den Rücktritt kam schliesslich vom Verein, der lieber auf jüngere Spieler setzte.» Zellweger machte nach seinem Rücktritt eine Pause und nahm sich zwei Jahre lang Zeit, um herauszufinden, was ihm Spass machte. Auch er blieb beim Sport, denn er entschied sich für eine Ausbildung zum Fitnessinstruk- tor. Heute leitet der 46-Jährige ein Fitnesscenter in Rorschach.

Als Spitzensportler sei ein zweites Standbein enorm wichtig. Schon zu Beginn seiner Zeit als Profifussballer habe er nebenbei die Handelsschule besucht. «Man sollte sich absichern, denn das Risiko für eine Verletzung gibt es immer.»

Marketingstudium neben dem Sport

Auch Karin Weigelt hat sich ein zweites Standbein neben dem Sport aufgebaut. Schon vor ihrem Entscheid, sich im Profisport zu versuchen, hat sie Marketing und PR studiert. Während sie als Handballerin in Norwegen und Frankreich spielte, absolvierte sie zudem ein Fernstudium mit Schwerpunkt Sportmanagement. Bis 2018 spielte Weigelt in verschiedenen Mannschaften im In- und Ausland. Der Rücktritt sei ihr sehr schwergefallen: «Von klein auf war ich Handballerin, damit aufzuhören hat wehgetan.»

Nach ihrem Karriereende hat die 35-Jährige ihre eigene Marketingfirma gegründet. Zusätzlich arbeitet sie im Schweizer Handballverband als Projektleiterin an der Handball-Akademie der Frauen. «So lebe ich meine Leidenschaft weiter.»

23.05.2019 Sarganserländer

Stell dir vor, es wird gestreikt, und keine geht hin?

von Katrin Wetzig

Einleitend erklärte Pfarrer Rolf Kühni die evangelische Kirche in Sargans zum neutralen Ort der Meinungsbildung und führte aus, was in der Bibel dazu steht. Dabei wurde deutlich, dass auch hier schon Hierarchien ebenso infrage gestellt wie fixiert wurden. Kühnis Anliegen, in der Kirche Verständnis für die Gendergerechtigkeit aufzubringen und zu einer eigenen Meinung zu finden, schien von daher nicht infrage gestellt zu sein. Mit ein paar persönlichen Worten begrüsste er als Referentin Christine Flitner vom Frauenstreik-Komitee und Zentralsekretariat VPOD. Am Podium konnte er folgende Personen begrüssen: Karin Weigelt, Nationalratskandidatin der FDP, Thomas Warzinek, Kantonsrat und Nationalratskandidat der CVP, die Kantonsrätin und Nationalratskandidatin der FDP, Brigitte Pool, Esther Friedli, die Nationalratskandidatin der SVP, Barbara Dürr, Kantonsrätin und Nationalratskandidatin der CVP, und Margrit Blaser Hug, Vorstandsmitglied der SP St.Gallen als Vertretung für die kurzfristig verhinderte SP-Regierungsrätin Heidi Hanselmann.

«Lohn. Zeit.»

Christine Flitner begann ihr Referat mit ihrer eigenen Geschichte. Erst durch den 1981 in der Bundesverfassung verankerten Gleichstellungsartikel wurde die Baslerin zur Deutsch- Schweizer Doppelbürgerin, indem ihr nun neben der Nationalität ihres deutschen Vaters auch die Nationalität ihrer Schweizer Mutter zugesprochen wurde. Zehn Jahre später erbrachte der Frauenstreiktag am 14.Juni endlich auch das Gleichstellungsgesetz mit den bekannten Verbesserungen, wie beispielsweise der Mutterschaftsversicherung. Es wurden mehr Frauen in den Bundesrat gewählt, doch dann war wieder Stillstand. Dieses Mal wird unter dem Titel «Lohn. Zeit. Respekt.» gestreikt. Die Lohndifferenz von Männern- und Frauenlöhnen ist immer noch markant vorhanden. Flitner sprach von 37 Prozent niedrigeren Frauenlöhnen im Vergleich zu den Löhnen der Männer, nicht zuletzt auch bedingt durch die betreuungsbedingten Teilzeitpensen. Dies zieht nach sich, dass die Renten der Frauen im Vergleich zu den Männerrenten um bis zu 63 Prozent tiefer liegen. Zum Titel «Zeit.» führte Flitner aus, dass die Frauen immer noch weitaus mehr unbezahlte Arbeit leisten als die Männer. Insbesondere die Pflege und Betreuung von Angehörigen und Kin- dern geht hauptsächlich auf das Konto der Frauen.

«Respekt.»

Bei dem Stichwort «Respekt.» geht es um die körperliche Unversehrtheit und sexuelle Belästigung ebenso wie um die mangelnde Wertschätzung und die schlechte Bezahlung in den Pflegeberufen. In diesem Zusammenhang erwähnte sie auch die Unterbezahlung in Kindertagesstätten, die dazu führe, dass hier Praktikantinnen ausgenutzt würden, ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz. Der Frauenstreik richte sich nicht gegen die Männer, betonte die Referentin. Es gehe vielmehr darum, dass diese den Frauen nicht vorschreiben, was sie tun sollen. Solidarische Männer motivierte sie, mitzumachen, beispielsweise indem sie die Kinderbetreuung übernehmen. Die öffentlichen Aktionen dieses Streiktages finde man im Internet, erklärte Flitner. Bereits die Diskussion über den Frauenstreik wertete sie als Erfolg mit der Hoffnung, dass dies erneut Auswirkungen auf die Politik haben werde.

Die Voten des Podiums

Karin Weigelt berichtete den Anwesenden über ihre Auslandsaufenthalte in Deutschland, Norwegen und Frankreich. Insbesondere die Handhabung der Gleichstellung in Norwegen fand sie vorbildlich, machte jedoch auch deutlich, dass man eigene Lösungen finden müsse, da das politische System in Norwegen anders funktioniere. Thomas Warzinek bestätigte die Diskriminierung der Frauen durch Lohnungleichheit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse verbessert werden. Brigitte Pool erinnerte daran, dass Respekt und Wertschätzung an der Basis stattfinden, und appellierte daran, die Gleichstellung in der Familie vorzuleben. Esther Friedli sah die Ursache der Lohnungleichheit hauptsächlich darin, dass die Frauen zu wenig Selbstbewusstsein an den Tag legen und im Bewerbungsgespräch zu wenig fordern. Auch nützten Männer berufliche Netzwerke besser, statt neidisch und stutenbissig wie die Frauen zu agieren. Barbara Dürr bemerkte, dass die Diskussion auf den Bauernhöfen angekommen sei. In der obligatorischen Versicherung der Frauen und deren Entlöhnung sieht sie eine staatliche Verordnung, die nicht überall erfreut zur Kenntnis genommen werde. Margrit Blaser erinnerte daran, dass bei Scheidung die Frauen nicht selten die Verliererinnen sind. Trotz guter Ausbildung gibt es mutterschaftsbedingt weiterhin eine Schlechterstel- lung. Auch sagte sie, dass betreuungsbedingte Teilzeitarbeit für Männer immer noch auf wenig Verständnis bei den Arbeitgebern stosse. Hier seien positive Vorbilder und Veränderungen nötig. Die Frage, ob es einen Streik brauche oder nicht, schien von allen dahin gehend beantwortet zu sein, dass weiterhin politischer Handlungsbedarf erforderlich ist.

Diskussion – fast vergessen

Die öffentliche Diskussion hätte Pfarrer Rolf Kühni beinahe vergessen. Sie wurde von den Frauen energisch eingefordert. Dabei erinnerte Esther Probst daran, dass man im Sarganserland 20 Jahre lang am 14. Juni mit Anlässen an den Frauenstreik und die Anliegen der Frauen erinnert hatte. Andere Voten ermutigten Frauen dazu, sich die eigene finanzielle Lage vor Augen zu halten und sich selber darum zu kümmern, anstatt dies dem Partner zu überlassen. Während Frauen noch vor wenigen Generationen keinen Beruf erler- nen durften, wurde nun dazu angeregt, miteinander neue Wege zu finden, zumal auch Männer unter dem Leistungsdruck zu leiden hätten. Monika Gauer erinnerte daran, dass das politi- sche Frauennetzwerk Sarganserland pfs sich am Frauenstreik beteiligt, indem man an diesem Tag um 13.15 Uhr von Bahnhof Sargans aus nach Chur fahre, um an den Bündner Aktivitäten teilzunehmen. Unter www.pfs-sarganserland. ch oder www.14juni.ch findet man Detailangaben dazu im Intenet. (kw)

02.05.2019 A Ostschweiz

Karin Weigelt

Auch wenn die 35-Jährige im vergangenen Sommer vom Spitzensport zurückgetreten ist – das Herz der 127-fachen Nationalspielerin schlägt immer noch für Handball. Beim Schweizer Verband treibt sie seit längerem das Projekt einer Frauenhandballakademie an. Aktuell begleitet die St. Gallerin als Expertin des Fernsehsenders «MySports» das NLA-Playoff der Männer. Sie überzeugt mit ihrer Fachkenntnis – bei fast 400 erzielten Toren überrascht das nicht wirklich.

01.05.2019 Sarganserländer

Gössi empfiehlt mehr Selbstbewusstsein

Die Präsidentin der FDP Schweiz war zu Gast bei der FDP Sarganserland und stellte sich zusammen mit Karin Weigelt und Susanne Vincenz-Stauffaucher den Fragen von Hanspeter Trütsch.

Sie freue sich, Unterstützung im Ständerats-Wahlkampf leisten zu können. Mit diesen Worten stieg die Chefin der FDP Schweiz in ihre Ausführungen vor einem voll besetzten «Sternen»-Saal in Wangs ein. Petra Gössi weilte auf Einladung der Kreispartei im Sarganserland und gab zunächst einen kleinen Einblick in das Wirken einer Parteipräsidentin. Trotz der grossen zeitlichen Belastung sei es ihr nach wie vor wichtig, im Arbeitsleben bleiben zu können, was dann wiederum «die Herausforderungen eines Milizparlaments aufzeigt».

Im politischen Teil zeigte Gössi dann die Vision der FDP für die Schweiz auf. Man müsse gemeinsam füreinander einstehen, die FDP sei eine zukunftsgerichtete Partei. Und sie stellt den Begriff «Heimat» in den Mittelpunkt, auch wenn dieser schon von einer anderen Partei besetzt sei: «Jeder darf sich seine Heimat aussuchen, unsere ist liberal».

«Der bilaterale Weg ist der Königsweg»

Die FDP-Vision umfasst sieben Zielsetzungen, dazu gehören etwa «eine vielfältige Gesellschaft mit gemeinsamen Werten» oder «eine gelebte Solidarität, die niemanden zurücklässt». Zu den Aussenbeziehungen meinte sie, nur mit zusätzlichen Handelsabkommen sei es nicht getan, «der bilaterale Weg ist der Königsweg». Gössi steht deshalb auch für das Rahmenabkommen mit der EU ein, wenn auch mit Einschränkungen, «die der Bundesrat klären muss». In jüngster Zeit ist die FDP vor allem auch wegen ihres Bekenntnisses zur Umweltpolitik in die Schlagzeilen geraten. «Umwelt geht uns alle an», sagte die Parteipräsidentin dazu, es gehe um eine nachhaltige und effiziente Nutzung des Raums und der natürlichen Ressourcen. Ein aufgrund einer Mitgliederumfrage erarbeitetes Positionspapier werde im Juni an der Delegiertenversammlung präsentiert.

Spannender Polittalk

Nach dem Referat gesellten sich die Sarganser Nationalratskandidatin Karin Weigelt und Ständeratskandidatin Susanne Vincenz-Stauffacher zu Gössi auf die Bühne. Unter der Moderation des ehemaligen Bundeshaus-Korrespondenten von Fernsehen SRF, Hanspeter Trütsch, bestritten sie einen hochinteressanten Polittalk. Trütsch, ein gebürtiger St.Galler, konnte mit seinem fundierten Wissen aus Bundesbern, aber auch bis hinab auf regionaler Ebene (Spital Walenstadt) bei seinen Fragen aus dem Vollen schöpfen. Wie man den Kanton St.Gallen, der in einem UBS-Rating genau im Durchschnitt positioniert sei, wahrnehme, wollte Trütsch von den FDP-Frauen wissen. Die Ostschweiz sei in Bern gut spürbar, meinte Gössi. Man dürfte sich noch mehr Gehör verschaffen, war das Statement von Vincenz, Durchschnitt sei ja nicht primär schlecht. Worauf Gössi meinte, St.Gallen habe viel erreicht, sie empfahl dem Kanton mehr selbstbewusstsein. Weigelt, die elf Jahre im Ausland als Handball-Profispielerin gelebt hat, formulierte ihr Verhältnis zum Heimatkanton folgendermassen: «Je länger im Ausland, desto patriotischer.»

Zur geschlechterspezifischen Frage, wie Frauen Beruf und Familie unter einen Hut bringen, meinte Vincenz: «Es ist machbar.» Berufliche Selbstständigkeit sei sicher ein Erfolgsrezept, «es braucht wahnsinnig viel Organisation, es lohnt sich». Braucht es eine Abgabe auf Flugreisen? Bei Billigflügen müsse man international eine Lösung finden, so Weigelt. Man müsse in Technologie investieren, jedoch nicht das Privileg des Fliegens rückgängig machen. Vincenz könnte sich für eine Abgabe erwärmen, sie will jedoch kein Verbot, sondern Lenkungsabgaben.

Die drei Frauen überzeugten das Publikum, unter ihnen zahlreiche Nationalratskandidaten, mit ihren Statements auch zu zahlreichen weiteren Themen. Und der einheimische Gemeinderat und Kandidat der Jungfreisinnigen, Nirosh Manoranjithan, führte gekonnt durch den Abend.

26.4.2019 St.Galler Tagblatt

Karriere nach der Karriere

Eine Frau, die Sportübertragungen der Männer kommentiert? Klingt im ersten Moment vielleicht ungewöhnlich, ist während der diesjährigen Handball-Playoffs der Männer jedoch Tatsache. Die ehemalige Handball-Nationalspielerin Karin Weigelt ­verstärkt gemäss der aktuellen Ausgabe des Handball-Magazins «Handballworld» das Expertenteam während der Liveübertragungen auf MySports. Die in St.Gallen aufgewachsene Weigelt hat ihre Karriere im vergangenen Jahr beendet. Während dieser absolvierte sie 128 Länderspiele und erzielte dabei 400 Tore. Die 34-Jährige ist aber nicht nur sportlich interessiert. Im November 2018 wurde sie als freisinnige Sarganserländer Kandidatin für die Nationalratswahlen vom 20. Oktober nominiert und will somit in die Fussstapfen ihres Vaters treten: dem ehemaligen St.Galler FDP-Nationalrat Peter Weigelt. (arc)

25.04.2019 Handballworld

Im vergangenen Sommer hat Karin Weigelt (34) ihre grosse Spitzenhandball-Karrriere beendet. Die Formulierung „sie trat kürzer“ wäre aber angesichts ihrer Engagements nicht angebracht.

(Interview Roland Marti, handballworld)

Ihr Karrierenende als Spitzen-Handballerin liegt erst ein paar wenige Monate zurück. Wie schwer ist Ihnen die Umstellung gefallen?

Es ist ein komplett anderes Leben, welches ich jetzt in der Schweiz führe. Natürlich geniesse ich die Vorteile, die das neue Leben mit sich bringt und habe die frei gewordene Zeit mit neuen Projekten und Herausforderungen gefüllt. Trotzdem, der Handball hat über viele Jahre meinen Alltag bestimmt und ich habe viel Herzblut in diese Sportart investiert. Es wäre gelogen, zu behaupten, dass ich einfach den Schalter umlegen konnte. 

Sie haben vom SHV das Mandat erhalten, die Handball-Akademie der Frauen als Projektleiterin voranzutreiben? Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Die Handball-Akademie ist ein ambitioniertes und zukunftsgerichtetes Konzept, welches den Frauenhandball in der Schweiz weiterbringen wird. Ich freue mich, dass ich meine Erfahrungen aus dem internationalen Profi-Sport und meinen beruflichen Hintergrund nun optimal in dieses Projekt einbringen kann.

Im Sommer 2020 soll das erste Leistungszentrum für Frauen in Cham eröffnet werden. Wie steht dieses Projekt derzeit im Fahrplan?

Ende März hatten wir junge, talentierte Spielerinnen aus der ganzen Schweiz zum Selektions-Lehrgang nach Schaffhausen eingeladen. Unser Ziel ist es, noch vor den Sommerferien 2019 erste Akademie-Spielerinnen vorstellen zu können. Ansonsten laufen die weiteren Vorbereitungen und Abklärungen auf Hochtouren. Es gibt viel zu tun damit im Sommer 2020 alles startklar ist. Wir liegen absolut im Zeitplan. 

Wo sind momentan die grössten «Baustellen»?

Die grösste Baustelle ist bestimmt in Cham, nämlich die Baustelle des Kompetenzzentrums OYM, welches noch gebaut wird. 🙂 

Das ist eher bildlich gesprochen, denn es läuft alles nach Plan. 

Ansonsten sind es weniger Baustellen sondern eher weitere Projektschritte, die nun anstehen. So wollen wir beispielsweise die Selektion der Spielerinnen für den Sommer 2020 abschliessen sowie die individuellen Ausbildungssituationen klären. Ein weiteres Thema ist unter anderem das Sponsoring- und Vermarktungs-Konzept, welches wir weiterentwickeln und verfeinern werden.

Im Juni spielt die Frauen-Nationalmannschaft gegen Dänemark ums WM-Ticket. Welchen Einfluss hat das Abschneiden der Nati auf Ihre Arbeit?

Die Nationalmannschaft ist das Flagschiff unserer Sportart. Das gilt nicht nur für die Frauen- sondern auch für die Männer-Nationalmannschaft. Deshalb hoffe ich sehr, dass wir bei den kommenden wichtigen Spielen unserer Nationalmannschaften erfreuliche Resultate sehen werden.

Sie «tanzen» kommenden Herbst noch auf einer weiteren Hochzeit und kandidieren für den Nationalrat. Was müsste im Falle Ihrer Wahl in der Priorität nach hinten rücken?

Aus meiner Sicht wäre die Verbindung meines Mandats für die Handball-Akademie mit dem Mandat als eidgenössische Parlamentarierin ein Glücksfall, da ein bedeutendes, zusätzliches Netzwerk für den Handball erschlossen werden könnte. Natürlich müsste ich bei meinen heutigen beruflichen Engagements teilweise kürzertreten, das Mandat beim SHV hätte aber in jedem Fall Priorität.

Wie viele Spiele haben Sie in der laufenden Saison live in einer Halle miterlebt?

Das waren leider definitiv zu wenige. Ich habe mir aber fest vorgenommen, dies bei den Playoff-Spielen nachzuholen. Die Spiele der Nationalmannschaft hingegen bleiben eine Herzensangelegenheit.

Juckt es noch in den Fingern, selber mitzuspielen, wenn Sie in einer Handballhalle sind?

Ja, das tut es definitiv. Die Anspannung vor dem Spiel, die Emotionen und das Adrenalin während dem Spiel und sogar die Erschöpfung nach dem Spiel sind unbeschreiblich schöne Gefühlszustände, welche sich tief in mein Herz gebrannt haben.

1