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Der Sportverein – tragende Stütze im gesellschaftlichen Wandel

In der Schweiz gibt es rund 20‘000 Sportvereine, die fast ausschliesslich ehrenamtlich geführt werden. Müssten diese Leistungen im Dienste der Allgemeinheit entschädigt werden, wäre dazu ein Betrag von rund zwei Milliarden Franken notwendig.

Ein Beitrag von Karin Weigelt
Unternehmerin, ehem. Profi-Handballerin und FDP-Nationalratskandidatin

Der Sportverein – tragende Stütze im gesellschaftlichen Wandel

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In den kommenden Monaten werden Politikerinnen und Politiker vieles versprechen und fordern; ob Sicherheits-, Finanz-, Aussen-, Sozial- oder sonst welche Politik, alles wird kommentiert und beleuchtet. Wer aber nach klaren Aussagen zur gesellschaftlichen Bedeutung des Sports sucht, dürfte auch im anstehenden Wahlkampf 2019 kaum fündig werden. Eigentlich erstaunlich, wenn man weiss, dass weit über die Hälfte der Bevölkerung aktiv Sport betreibt und sich Zehntausende als Funktionäre in den Dienst des Sports stellen.

Sicher spielt eine Rolle, dass es den Sport als solchen nicht gibt. Der Langstreckenläufer hat wenig mit der Billiardspielerin zu tun und die Bogenschützin noch weniger mit dem Bobfahrer. Einzelsportlerinnen und Teamsportler haben wohl gleich wenig gemeinsam wie Motorsportler mit Alpinisten. Eine Gemeinsamkeit haben Sportlerinnen und Sportler aber auf alle Fälle, nämlich sportliche Werte in den Alltag hineinzutragen.

Sportvereine – tragende Säulen unseres Wertesystems


Die Sportvereine sind es, die Jugendlichen den Weg in den Sport ebnen, Wettkämpfe organisieren und Erfolgserlebnisse ermöglichen. Gesunder Konkurrenzkampf wird erlernt, Selbstvertrauen aufgebaut, Herausforderungen positiv begegnet und Ziele Schritt für Schritt zu verfolgen. In den Vereinen werden aber auch Werte vermittelt, die in unserer immer hektischeren Welt oft untergehen. Begriffe wie Fairness, Respekt, Durchhaltewille oder Teamgeist werden in Sportvereinen mit Inhalt gefüllt, werden erlebbar und erlernbar. Damit tragen Sportvereine entscheidend zum Erhalt unseres Wertesystems
bei, ohne soziale, religiöse oder politische Ausgrenzung. Nirgendwo sonst kommt ein so starkes Wir-Gefühl auf wie beim gemeinsamen mitfiebern für eine Sportlerin oder beim bejubeln einer gemeinsam unterstützten Mannschaft. Solche Erlebnisse schweissen eine Gesellschaft zusammen und schaffen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. In einer sich immer stärker individualisierenden Welt wichtiger als je zuvor.

Sportvereine – tragende Säulen unseres Milizsystems


In der Schweiz gibt es rund 20‘000 Sportvereine, die fast ausschliesslich ehrenamtlich geführt werden. Gemäss der Studie «Sportvereine in der Schweiz» aus dem Jahre 2016 ergeben sich daraus jährlich über 70 Millionen Arbeitsstunden, die ehrenamtlich für den Sport eingebracht werden. Müssten diese Leistungen im Dienste der Allgemeinheit entschädigt werden, wäre dazu ein Betrag von rund zwei Milliarden Franken notwendig. Doch nicht nur die quantitative Bewertung der ehrenamtlichen Arbeit in Sportvereinen beeindruckt. Auch die immateriellen Werte, die vermittelt werden, sind von grösster Bedeutung. So wird das Milizsystem heute in tausenden von Vereinen nicht nur selbstverständlich gelebt, sondern auch aktiv an jüngere Generationen weitergegeben. Damit kommt unseren Sportvereinen auch eine wichtige staatspolitische Bedeutung zu.

Sportvereine verdienen mehr Anerkennung und Unterstützung


Angesichts der dargestellten Leistungen, die beispielsweise mit positiven Inputs für die Volksgesundheit, einer hohen Integrationsleistung oder sinnvoller Freizeitgestaltung Jugendlicher ergänzt werden könnten, verdienen Sportvereine deutlich mehr Anerkennung. Es ist die Verpflichtung unserer Politikerinnen und Politikern, Sportvereine nicht nur an Jubiläen und Festen zu würdigen, sondern ihnen im Alltag Rahmenbedingungen zu gewährleisten, die ihnen ein langfristiges Überleben ermöglichen.

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