DigitalisierungGesellschaftlicher Wandel
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Digitale Transformation im Studium

Digitalisierung ist mehr als eine technische Revolution, sie verändert unser Leben.

Digitale Transformation im Studium – ein Erfahrungsbericht

Ein abgeschlossenes Studium ist eine gute Grundlage, auf der sich eine berufliche Karriere aufbauen lässt. Was aber tun, wenn ein traditionelles Studium aufgrund von Präsenzzeiten an der Hochschule nicht möglich ist? Die Anwendung von technologischen Hilfsmitteln ermöglicht neue Wege in der Aus- und Weiterbildung und nimmt damit entsprechende Bedürfnisse auf. Voraussetzung ist die Bereitschaft von Seiten der Bildungsanstalt wie auch der Studierenden, sich offen auf neue Modelle einzulassen. Selbstdisziplin und eigenverantwortliches Lernen werden dabei vorausgesetzt.  

von Karin Weigelt*, Sargans (*MBA Fernstudium Hochschule Koblenz, Deutschland)

Das Schlagwort „Digitalisierung“ ist in aller Munde. Oftmals wird dabei vor allem Prozessoptimierung in Unternehmen und Ressourcenoptimierung in Form von Automatisierung von Routine-Jobs verstanden. Die Digitalisierung beeinflusst unser Leben jedoch viel umfassender. Sie betrifft über kurz oder lang jeden von uns, denn sie prägt und beeinflusst all unsere Lebensbereiche. Die Chancen, welche diese Veränderung mit sich bringt, gilt es aktiv zu nutzen und traditionelle Modelle unter den neuen Gesichtspunkten und Bedürfnissen zu überdenken. Meine Erfahrung während meines Masterstudiums an der Hochschule Koblenz in Deutschland zeigt, wie die digitale Transformation auch vor Bildungsinstituten nicht Halt macht. Die Offenheit gegenüber neuen Lernmodellen und die Anwendung neuer Technologien ermöglichen individuelles und ortunabhängiges Studieren und damit neue Formen und Möglichkeiten einer berufsbegleitenden, internationalen akademischen Ausbildung.

Vom Hörsaal zum e-Campus

Während 11 Jahren spielte ich in den höchsten Handball-Ligen Deutschlands, Norwegens und Frankreichs. Angefangen hat meine Auslands-Karriere mit 23 Jahren, als nach erfolgreichen eidgenössischen Abschlüssen im Bereich PR und Marketing-Kommunikation auch grünes Licht von meinem Umfeld kam, den Sport an erster Stelle in meinem Leben zu setzen. Entschieden habe ich mich damals für Deutschland, da dort neben dem Sport auch eine Teilzeitarbeit möglich war um, ganz nach Schweizer Mentalität, doch noch mit einem Bein im Berufsleben zu bleiben. Die Kombination zwischen Sport und Arbeit gefiel mir sehr und lies sich gut mit dem Leistungsanspruch im Spitzensport kombinieren. Nach ein paar Jahren wollte ich mich jedoch weiterentwickeln und entschied mich für ein begleitendes Masterstudium. Ein Wunsch, der angesichts der Tatsache, dass tagsüber Trainingseinheiten und an den Wochenenden Spiele auf dem Programm standen, eher utopisch war. Dies umso mehr, als auch noch Abwesenheiten mit der Nationalmannschaft, Europapokalreisen und Trainingslager den beruflichen Terminkalender füllten.

Für mich war damit klar, es musste zwingend ein Fernstudium sein. Doch rasch zeigte sich, dass die meisten Anbieter verbindliche Präsenztage verlangten, oftmals monatlich, einige gar wöchentlich. Als Spitzensportlerin kommt zudem der Umstand dazu, dass im Sport von Saison zu Saison geplant wird und Vereinswechsel dazugehören. Die perfekte Lösung in meiner Situation fand ich an der Hochschule Koblenz. Das MBA-Fernstudium wurde speziell für Sportler und Berufstätige konzipiert und ist eines der wenigen, welches zwar Präsenztage anbietet, diese jedoch nicht obligatorisch verlangt. Angeboten wird nebst den Vorlesungen der Professoren an der Hochschule, ein e-Campus, in dem alle Unterlagen abgelegt sind und Chatrooms für Fragen bereitstehen. Zudem sind einige Vorlesungen mit Audiobeiträgen der Dozenten ergänzt. Meinem Wunsch, die Vorlesungen jeweils als Live-Stream allen Studierenden verfügbar zu machen, wurde jedoch während meiner Studienzeit noch nicht nachgegangen. Überlegungen dazu sind aber gestartet.

Neue Lebensmodelle erfordern innovative Angebote

Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen wird immer wichtiger. Somit gehören nicht nur Studierende Anfang Zwanzig zur Zielgruppe von Hochschulen und Weiterbildungsinstituten, sondern vermehrt auch ältere, bereits im Berufsleben stehende Menschen. Dazu zählen beispielsweise auch Frauen, die ihre Babypause optimal nutzen möchten, um sich beruflich breiter aufzustellen. In meinem konkreten Fall ging es darum, dass ich während meiner Studienzeit in drei unterschiedlichen Ländern sportlich engagiert war. Gleichzeitig hatte ich fast keine Möglichkeit, an der Hochschule vor Ort zu sein. Prüfungen konnten zum Glück verschoben oder gar in Kooperation mit Partner-Instituten so organisiert werden, dass ich diese ortsunabhängig ablegen konnte. Die Zusammenarbeit der Bildungsinstitutionen untereinander zum Wohle des Studenten habe ich sehr geschätzt, stellte sie doch für mich eine grosse Erleichterung dar. Denn für eine Prüfung, die um acht Uhr morgens am Hochschul-Campus startet, hätte ich immer schon am Vortag anreisen müssen. Zwei Prüfungen am gleichen Tag verunmöglichten die Rückreise abends, was dazu führte, dass insgesamt drei Trainingstage ausgefallen wären und das mehrmals im Semester. Für Profi-Sportler in Mannschaftssportarten eine zu lange Abwesenheit von der Mannschaft und dem Training, insbesondere während der Saison. Ganz zu schweigen davon, dass die Prüfungen bei Fernstudien fast ausschliesslich am Wochenende stattfinden, an welchen ich sowieso mit meiner Mannschaft engagiert war. Besonders wertvoll für mich war zudem die Möglichkeit, mündliche Präsentationen via Skype halten und die Prüfungskommission aus einer Distanz von über 1000km überzeugen zu können.

Digitale Transformation als langer Prozess

Im November 2017 hielt ich nach knapp drei Jahren Studienzeit mein Masterdiplom in den Händen. Gestartet hatte ich mein Studium in Deutschland, danach studierte ich zwei Jahre lang von Norwegen aus bevor ich meine Masterarbeit in Frankreich zu Ende schrieb. Meinen Professor, der meine Arbeit betreute, traf ich nur zwei Mal. Das erste Mal um ihn als Betreuungsperson anzufragen und das zweite Mal bei der Verteidigung meiner Arbeit. Die Zeit und die über 1000km dazwischen stellten nie ein Hindernis dar. Eine sehr erfreuliche Zusammenarbeit mit der Hochschule Koblenz, von welcher andere Bildungsinstitute in Bezug auf unkonventionelle Bereitschaft auf individuelle Lebensmodelle der Studierenden einzugehen, lernen können. Die Studierenden ins Zentrum zu stellen, starre Richtlinien zu lockern und neue Technologien anzuwenden sind Anforderungen an eine zukunftsgerichtete Entwicklung des Bildungswesens, die sich auch schweizerische Bildungsinstitute zu Herzen nehmen sollten.

Eine kritische Anmerkung bleibt; zu meiner Ernüchterung musste die Masterarbeit in dreifacher, ausgedruckter Form und auf drei CDs abgegeben werden. Ganz von traditionellen Eigenheiten wollte sich die Hochschule Koblenz offensichtlich doch noch nicht befreien. Die Postaufgabe meiner Masterarbeit in der französischen Provinz mit einer von der Postbeamtin persönlich abgeleckten Postmarken, die sie lieblos auf meine vollendete Arbeit klatschte, zeigte mir, dass der digitalen Transformation wohl noch ein langer Prozess bevor steht.

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