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Vom internationalen Spitzensport in die nationale Politik

11 Jahre spielte ich professionellen Handball in den höchsten Ligen von Deutschland, Norwegen und Frankreich. 

Zurück in der Schweiz, habe ich mich entschieden in der Politik aktiv zu werden.

Vom internationalen Spitzensport in die nationale Politik: Herausforderungen und Chancen

11 Jahre professioneller Spitzensport in den stärksten Handball-Ligen der Welt prägen, mindestens so stark wie die Jugend- und Ausbildungszeit in der Schweiz. Umso mehr mag es erstaunen, dass ich nach meiner Rückkehr in die Schweiz nun auf die nationale Politik setze. Motiviert der Wettkampfgeist, der im Wahlkampf wieder ausgelebt werden kann? Ist es eine Idealvorstellung der Auslandschweizerin von ihrer Heimat oder einfach nur das Bedürfnis etwas bewegen zu wollen? Natürlich ist die Motivation vielschichtiger, vor allem aber tiefer. 

von Karin Weigelt, Kriessern

Wer über 10 Jahre die Schweiz – auch politisch – intensiv aus dem Ausland mitverfolgt hat, sieht Positives und Negatives vielleicht klarer, als jemand, der immer nur mitten drinstand. Denn der Alltag im Ausland spiegelt das wirklich oder vermeintlich Schweizerische immer wieder an der Realität im Gastland. In Deutschland war dieser Spiegel anders geformt als in Norwegen oder in Frankreich. Aber gerade diese unterschiedlichen Alltagsrealitäten haben mich herausgefordert, die Schweiz und ihr Erscheinungsbild immer wieder neu zu bewerten. Diese aktive Auseinandersetzung mit der Heimat Schweiz hat mich schon vor mehreren Jahren auf den Gedanken gebracht, dass ich mich nach meiner Rückkehr öffentlich engagieren, dass ich einmal aktiv mitgestalten will. Das einzigartige Schweizer Privileg, das es Bürgern ermöglicht, die Politik mitzugestalten, lernte ich je länger je mehr zu schätzen. Nun, da ich wieder zurück in der Schweiz bin, möchte ich gerne selber Verantwortung übernehmen.

Welche Qualifikationen sind gefordert?

Vor 20, vielleicht auch noch vor 10 Jahren hätte man solche Überlegungen wohlwollend zur Kenntnis genommen und sich gefreut, wenn sich eine junge Frau nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland auf der Gemeindeebene, beispielsweise als Schulrätin oder gar als Gemeinderätin zur Verfügung gestellt hätte. Ich aber steige nun direkt in den Kampf um einen Sitz im Nationalrat ein; wohl mit einer erfolgreichen Handball-Karriere, einem Master-Abschluss und verschiedenen Berufserfahrungen im Rucksack, aber noch ohne eine Minute Parteiarbeit und ohne einen Meter auf der Ochsentour der Politik.

Ja, und ich habe weder ein schlechtes Gewissen noch bin ich eingeschüchtert. Denn ich bin überzeugt, dass vieles, was ich in den 11 Jahren als Profi in einer sehr harten und dynamischen Sportart erlebt und erfahren habe, durchaus optimale Voraussetzungen für die politische Arbeit in einem Land mit einem Milizsystem sind. Denn mein Blick von aussen auf die Schweiz wird durch Leistungsbereitschaft, Kampf- und Siegeswillen sowie Durchsetzungs- aber auch Teamfähigkeit ergänzt. Ich weiss, was es heisst, gemeinsam für Ziele zu kämpfen und was es braucht, um zusammen etwas zu erreichen. Da ich über Jahre auch Captain, oder wie es in Deutschland heisst Spielführerin in international zusammengesetzten Spitzenteams war, kommen Führungserfahrung, Kommunikations- und Vermittlungsfähigkeit sowie Fremdsprachen dazu. Aus meiner Sicht ein Portfolio, das die verpasste Ochsentour durchaus aufwiegt und einer Tätigkeit im Bundeshaus sicherlich nicht schlecht ansteht.

Warum gerade für die FDP?

Meine Stationen in den vergangenen 11 Jahren waren Deutschland, Norwegen und Frankreich. Für eine nicht nur sportlich, sondern auch politisch und gesellschaftlich interessierte junge Frau eine ebenso spannende wie gegensätzliche Umgebung. Während in Deutschland 20 Jahre nach dem Mauerfall noch immer der Blick zurück auf DDR- und sogar NS-Zeiten die Politik und die gesamte Gesellschaft beherrschte, erlebte ich in Norwegen eine offene und zukunftsorientierte Bevölkerung. Liberale Werte wurden nicht nur plakatiert, sondern im Alltag gelebt, beispielsweise in der Geschlechterfrage, offenen Arbeitszeitmodellen oder einer bürgerorientierten Digitalisierung. Während ich in Deutschland das Gefühl hatte, dass das Staatliche den Alltag diktiert, waren es in Norwegen die Menschen selbst. In Frankreich hingegen war die Bürokratie allgegenwärtig. Als nicht EU-Ausländerin habe ich dies ganz direkt gespürt, beispielsweise in der langen Schlange beim Einwohneramt oder der komplizierten Prozedur, bis ich mich bei einer Krankenkassenversicherung registrieren konnte. Nachhaltig beeindruckt hat mich hingegen die kulturelle Zusammensetzung der französischen Nation. Eine Nation, die sich auf die Parolen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit stützt, obwohl die Vergangenheit der einzelnen Volksgruppen historisch und politisch nicht unterschiedlicher und asymmetrischer hätte verlaufen können.

Aus all diesen Erfahrungen ist für mich klar, mein politisches Engagement richtet sich an einem liberalen Weltbild aus, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt, Freiheit gewährleistet und sichert, auf Gemeinsinn baut, Selbstverantwortung fördert und optimistisch in die Zukunft blickt. Diese Werte finde ich in der Schweiz bei der FDP am besten und glaubwürdigsten repräsentiert. Der Leitspruch der FDP „Aus Liebe zur Schweiz“ gefällt mir und bestärkt mich, mich auch weiterhin, nach 127 Einsätzen für die Nationalmannschaft, für meine Heimat einzusetzen.

Mit welcher Wahlkampfstrategie erfolgreich sein?

Meine Ausgangslage ist, wie aus dem Erwähnten ersichtlich, nicht alltäglich. Verbunden mit meiner beruflichen Ausbildung als PR-Fachfrau und Online Marketing Managerin werde ich denn auch immer wieder gefragt, ob von mir jetzt auch ein aussergewöhnlicher Wahlkampf zu erwarten sei. Eins kann ich mit Sicherheit bereits jetzt verraten: es wird über die klassische Plakatwerbung hinaus gehen. Mein Ziel ist es, einen zeitgemässen und interaktiven Wahlkampf zu führen, denn letztlich ist ein Wahlkampf immer ein Dialog mit den Wählerinnen und Wählern. Soziale Medien werden somit einen wichtigen Bestandteil in meinem Wahlkampf einnehmen.

Gefordert sind aber nicht primär kreative Konzepte, sondern Zeit sich auf Gespräche und Diskussionen einzulassen. Wer den Menschen in den Mittelpunkt seiner Politik stellen will, muss den Menschen auch in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes stellen. Es genügt nicht, wenn sich Parteien und Politiker rühmen, nahe am Volk zu sein. Glaubwürdig ist nur, wer im Volk selbst präsent ist und so aus dem Volk heraus argumentieren kann.

Nachdem ich während 11 Jahren auf der «politischen Zuschauertribüne» Platz nehmen musste, freue ich mich, meine Erfahrungen und meine Überzeugungen in die politische Debatte der Schweiz einzubringen und mich so auch den Herausforderungen auf dem politischen «Spielfeld» zu stellen.

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